Verhandlungsposition stärken

04.12.2015


Von Manfred Görig

 

Dem kommunalen Krankenhaus des Vogelsbergkreises gingen die Möglichkeiten aus. Grund waren die schlechten wirtschaftlichen Perspektiven. Nachdem das Defizit in den vergangenen zwölf Monaten halbiert wurde, kann das Kreiskrankenhaus jetzt deutlich selbstbewusster in Fusions-, Kooperations- oder Privatisierungsverhandlungen gehen.

Der Vogelsbergkreis steht vor großen Herausforderungen. Eine alternde Bevölkerung, knapper werdende Finanzmittel und Abwanderungstendenzen fordern eine mutige Auseinandersetzung mit der zukünftigen Entwicklung des Kreises. Das umfasst auch eine qualitativ hochwertige, wohnortnahe medizinisch-stationäre Versorgung der Bevölkerung. Eine Aufgabe, die durch diverse Reformmaßnahmen des Gesundheitswesens der vergangenen Jahre deutlich aufwendiger wird.

Seit einigen Jahren erwirtschaftet unser Kreiskrankenhaus Defizite - 2013 beliefen sie sich auf 2,8 Millionen Euro. Der Kreis muss diese Defizite ausgleichen, was unseren knappen Haushalt stark belastet. Damit war schon länger klar, dass es ohne einen starken Partner nicht weitergehen würde. Kein leichter und oftmals sehr umstrittener Weg. Wer nicht mehr alleine am Markt bestehen kann, hat im Grunde drei Optionen: lokale Fusion bzw. Kooperation oder den Verkauf der Klinik an eine große Betreiberkette.

Zum Thema lokaler Fusionen bzw. Kooperationen: Dies sind Lösungen, die wir grundsätzlich sehr begrüßen würden und intensiv verfolgt haben, bei denen wir aber bislang gescheitert sind. Das hat diverse Gründe: Jeder Partner ist zumeist bemüht, möglichst viele seiner Ziele umzusetzen und seinen Einflussumfang zu erhalten. Erschwerend kommen divergierende politische Interessen hinzu.

Auch unterscheiden sich Krankenhäuser - selbst wenn sich ihr Angebot medizinischer und pflegerischer Dienstleistungen ähnelt - deutlich in ihren Unternehmenskulturen. Diese im Rahmen einer Fusion zu vereinen stellt nicht nur eine große Herausforderung für das Management, sondern auch ein hohes wirtschaftliches Risiko dar.

Sind gesellschaftsrechtliche Verflechtungen erst einmal eingegangen, sind sie oft nicht oder nur unter großen wirtschaftlichen Zugeständnissen reversibel. Das zeigt, dass Fusionen und Kooperationen zum einen langwierige Verhandlungen notwendig machen und zum anderen mit Risiken verbunden sind. Für das Krankenhaus Alsfeld sowie für unsere Patienten und Mitarbeiter war eine lange Zeit der Unsicherheit allerdings nicht akzeptabel bzw. wirtschaftlich schädlich - diese Optionen haben sich damit bisher als problematisch erwiesen. 

 

Privatisierung kein Selbstläufer

Doch auch die dritte Option ist kein Selbstläufer: Für kleine Krankenhäuser wie unseres in Alsfeld wird in vielen Fällen der Anschluss an eine große private Betreiberkette als probates und immer verfügbares Allheilmittel angesehen. Viele Bürger in unserer Gegend fürchten allerdings bei einer solchen Lösung den Identitätsverlust unseres Hauses und bangen gleichzeitig um ihre Arbeitsplätze hier in der Region. Zudem haben wir die Erfahrung gemacht, dass private Klinikgesellschaften inzwischen die wirtschaftlichen Perspektiven der angebotenen Krankenhäuser sehr kritisch analysieren. Neben kartellrechtlichen Überlegungen stellt sich für die privaten Klinikgesellschaften zumeist die Frage, ob die angebotenen Häuser auch die Renditeerwartungen der Gruppe erfüllen können. Nicht alle angebotenen Häuser sind unter den aktuellen Marktgegebenheiten in der Lage, diese Renditen kurzfristig zu erwirtschaften. 

Statt ausschließlich nach einem Fusionspartner oder Käufer mit akzeptablen Konditionen Ausschau zu halten, haben wir uns entschlossen, zusätzlich Maßnahmen einzuleiten, die das Defizit senken und unser Haus damit wirtschaftlich attraktiver machen. Nicht zuletzt stärken wir damit auch unsere Verhandlungsposition und sichern den Gesundheitsstandort für unsere Bürger. 

Im Rahmen der wirtschaftlichen Sanierung unseres Kreiskrankenhauses kooperieren wir nun seit gut einem Jahr mit der KREX Klinik GmbH, einem Franchiseverbund von mehreren Krankenhäusern. Diese Kooperation hat sich für uns als sehr vorteilhaft erwiesen. Der Kreis behält in diesem Verbund alle Steuerungsmöglichkeiten in der Hand. Eine gesellschaftsrechtliche Anbindung ist nicht erforderlich. Damit sinken für uns als Träger die beschriebenen Risiken, und wir halten uns alle Optionen offen.

Nichtsdestotrotz profitieren wir dennoch von fast allen Vorzügen einer großen Klinikgemeinschaft. Wichtige Beispiele sind für uns die Standardisierung wichtiger Steuerungsinstrumente wie des Medizincontrollings und des MDK-Managements. Auch können wir auf ein Benchmarking mit anderen Kliniken zurückgreifen. Unser betriebswirtschaftliches Berichtswesen wurde durch den Verbund zudem empfängeroptimiert, was bei Verhandlungen mit Kreditinstituten hilfreich war. Die Ergebnisse dieser Kooperation sind beachtlich: Im laufenden Jahr konnten wir das Defizit mehr als halbieren!

Dies hat drei für uns sehr positive Konsequenzen: Erstens wird unser kommunaler Kreishaushalt entscheidend entlastet. Zweitens dürften unsere Erfolge auch vom Sozialministerium in Wiesbaden positiv bewertet werden - was uns optimistisch stimmt, die zwischenzeitlich unterbrochenen Gespräche über die geplanten Fördermittel rasch wieder aufnehmen können. Für unsere Patienten bzw. unsere zukünftigen Kooperationspartner sind wir dann in der Lage, unser Haus sowie unser medizinisches Angebot noch attraktiver und zukunftsweisender aufzustellen. Und drittens ist unser Haus dank der deutlich verbesserten wirtschaftlichen Ausgangslage für jede Form der Zusammenarbeit deutlich attraktiver geworden.

Aus dieser nun gestärkten Position heraus konnten wir den Spieß umdrehen: Wir haben ein Markterkundungsverfahren gestartet und erhalten inzwischen verschiedene Angebote. Wir sind daher optimistisch, dass wir unseren Bürgern auch zukünftig eine hochwertige, ortsnahe Versorgung in Alsfeld anbieten können.

 

Manfred Görig (SPD) ist Landrat des Vogelsbergkreises.
Der Vogelbergkreis liegt in Hessen und hat rund 105.000 Einwohner.

 

Quelle: Der Neue Kämmerer, Ausgabe 4, 2015


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